Die Klagen der Frau eines Kriegers: Von Đặng Trần Côn zu Hoàng Xuân Nhị

Aus dem Fran­zö­si­schen über­setzt

Nein, sie hat al­les ver­ges­sen, um nur an die Ab­reise ih­res Gat­ten zu den­ken. Ein an­de­rer Gott [als der des Krie­ges] be­seelt sie, dik­tiert ihr rüh­rende Ab­schieds­worte und be­netzt ihre Au­gen mit Trä­nen. So wahr ist es, dass die Qua­len der kür­zes­ten Tren­nung die Kräfte der Lie­ben­den über­stei­gen!

Ca­tull. Tra­duc­tion com­plète des poé­sies de Ca­tul­le, sui­vie des poé­sies de Gal­lus et de la Veillée des fêtes de Vé­nus (Voll­stän­dige Über­set­zung der Ge­dichte Ca­tulls, ge­folgt von den Ge­dich­ten des Gal­lus und der Vi­gi­lie der Ve­nus­fes­te), aus dem La­tei­ni­schen über­setzt von François Noël. Pa­ris: Ré­mont, 1806.

Diese Verse Ca­tulls hät­ten ebenso gut im Vi­et­nam der 1740er Jahre ge­schrie­ben wer­den kön­nen. In je­ner un­ru­hi­gen Zeit, ge­prägt von Trup­pe­n­aus­he­bun­gen, ent­stan­den die Kla­gen der Frau ei­nes Krie­gers (Chinh phụ ngâm)1Ver­wor­fene For­men:
Plain­tes d’une femme dont le mari est parti pour la guerre (Kla­gen ei­ner Frau, de­ren Mann in den Krieg ge­zo­gen ist).
Com­plainte d’une femme de guer­rier (Klage ei­ner Frau ei­nes Krie­ger­s).
Com­plainte de la femme du guer­rier (Klage der Frau des Krie­ger­s).
Com­plainte de la femme d’un guer­rier (Klage der Frau ei­nes Krie­ger­s).
Plain­tes de la femme du guer­rier (Kla­gen der Frau des Krie­ger­s).
Com­plainte de la femme d’un sol­dat (Klage der Frau ei­nes Sol­da­ten).
Plainte d’une femme de sol­dat (Klage ei­ner Frau ei­nes Sol­da­ten).
Le Chant de la femme d’un guer­rier (Der Ge­sang der Frau ei­nes Krie­ger­s).
Chant de la femme du guer­rier (Ge­sang der Frau des Krie­ger­s).
Chant de la femme du com­bat­tant (Ge­sang der Frau des Kämp­fer­s).
Ro­mance de la femme du com­bat­tant (Ro­manze der Frau des Kämp­fer­s).
Plain­tes d’une chin­h-phou, femme dont le mari part pour la guerre (Kla­gen ei­ner chin­h-phou, ei­ner Frau, de­ren Mann in den Krieg zieht).
Les Plain­tes d’une chin­h-phu (Die Kla­gen ei­ner chin­h-phu).
Scan­sion d’une femme de guerre (S­kan­die­rung ei­ner Kriegs­frau).
Scan­sion d’une femme dont le mari est à la guerre (S­kan­die­rung ei­ner Frau, de­ren Mann im Krieg ist).
La Com­plainte de l’é­pouse du guer­rier (Die Klage der Gat­tin des Krie­ger­s).
La Com­plainte de l’é­pouse du com­bat­tant (Die Klage der Gat­tin des Kämp­fer­s).
Femme de guer­rier (élé­gie) (Frau des Krie­gers [E­le­gie]).
Chinh phụ (ngâm khúc).
. In­mit­ten des Trom­mel­wir­bels er­he­ben sich die Trä­nen ei­ner jun­gen Vi­et­na­me­sin, de­ren Gat­te, an die Front ge­zo­gen, sich mit der Heim­kehr säumt und nicht zu­rück­kehrt. „Alle Trau­er, alle Auf­leh­nung, […] alle Angst des War­tens fin­det darin Aus­druck mit un­ver­gleich­li­chem Fein­ge­fühl“. Es ist eine in­time Ele­gie und keine Streit­schrift. Den­noch nimmt sie einen sol­chen Ak­zent ohn­mäch­ti­ger Ver­zweif­lung an, eine so auf­rich­tige Sehn­sucht nach der Sanft­mut und den schlich­ten Freu­den der Lie­be, dass sie eine in­stink­tive Ab­nei­gung ge­gen den Krieg weckt. Die Le­gende sagt im Üb­ri­gen, dass man­che Sol­da­ten, wenn sie diese Verse in der Däm­me­rung der La­ger sin­gen hör­ten, schließ­lich de­ser­tier­ten. Hört die Frau des Krie­gers:

Zahl­reich sind je­ne, die fort­zie­hen, sel­ten je­ne, die zu­rück­keh­ren:
Auf den Schlacht­fel­dern gleicht das aben­teu­er­li­che Le­ben des Sol­da­ten
Nur allzu sehr der Fa­rbe der Blät­ter!

Đặng, Trần Côn und Đoàn, Thị Điểm. Plain­tes d’une chin­h-phou, femme dont le mari part pour la guer­re, et au­tres poè­mes (Kla­gen ei­ner chin­h-phou, ei­ner Frau, de­ren Mann in den Krieg zieht, und an­dere Ge­dich­te), aus dem Vi­et­na­me­si­schen über­setzt von Hoàng Xuân Nhị. Pa­ris: Stock, 1943; Neu­auf­lage un­ter dem Ti­tel Plain­tes de la femme d’un guer­rier (Kla­gen der Frau ei­nes Krie­ger­s), Pa­ris: Su­de­sta­sie, 1987.

Diese Klage ist bis zu uns ge­tra­gen wor­den durch drei au­ßer­ge­wöhn­li­che Ge­stal­ten, die über die Jahr­hun­derte hin­weg ver­eint sind: einen ur­sprüng­li­chen Dich­ter, eine ge­ni­ale Über­set­ze­rin und einen küh­nen fran­ko­pho­nen Ver­mitt­ler.

Đặng Trần Côn: Der ursprüngliche Dichter

Von Đặng Trần Côn ha­ben die An­na­len das Bild ei­nes voll­en­de­ten Ge­lehr­ten be­wahrt. Als eine Aus­gangs­sperre über die Haupt­stadt Thăng Long (das heu­tige Ha­noi) ver­hängt wor­den war, grub der Au­tor einen heim­li­chen Kel­ler, um ins­ge­heim bei sei­nen Bü­chern zu wa­chen. Wer weiß, ob die be­schei­dene Lampe sei­ner stu­di­en­rei­chen Nächte nicht jene ist, die in die­sen Stro­phen ver­ewigt wur­de:

[…] viel­leicht ver­steht mich die Lam­pe…
Oder ver­steht mich die Lampe nicht?
Dann werde ich al­lein lei­den müs­sen?

Đặng, Trần Côn und Đoàn, Thị Điểm. Plain­tes d’une chin­h-phou, femme dont le mari part pour la guer­re, et au­tres poè­mes (Kla­gen ei­ner chin­h-phou, ei­ner Frau, de­ren Mann in den Krieg zieht, und an­dere Ge­dich­te), aus dem Vi­et­na­me­si­schen über­setzt von Hoàng Xuân Nhị. Pa­ris: Stock, 1943; Neu­auf­lage un­ter dem Ti­tel Plain­tes de la femme d’un guer­rier (Kla­gen der Frau ei­nes Krie­ger­s), Pa­ris: Su­de­sta­sie, 1987.

Die Wun­den ei­nes da­mals zwi­schen den Fürs­ten des Nor­dens und des Sü­dens zer­ris­se­nen Lan­des ver­lie­hen sei­nem in klas­si­schem Chi­ne­sisch ver­fass­ten Ge­dicht eine schreck­li­che Wahr­haf­tig­keit. Man las und be­wun­derte es bis nach Chi­na. Und ei­ni­ge, er­schreckt von der Kühn­heit ei­nes sol­chen Tal­ents, rie­fen aus: „All seine Klug­heit of­fen­bart sich in die­sem lan­gen Ge­dicht. Der Ver­fas­ser wird höchs­tens noch drei Jahre le­ben“. Düs­tere und wahr­haf­tige Pro­phe­zei­ung: Đặng Trần Côn er­losch drei Jahre spä­ter, in die Enge ge­trie­ben, so wird ge­mun­kelt, durch Selbst­mord.

Đoàn Thị Điểm: Die geniale Übersetzerin

Das Werk hätte sich trotz sei­nes Wer­tes viel­leicht nie­mals un­ter dem Volk ver­brei­tet, wäre nicht seine Über­tra­gung in die Volkss­pra­che durch Đoàn Thị Điểm ge­we­sen, mit Bei­n­amen Hồng Hà („Ro­sige Spie­ge­lun­gen“ oder „Ro­sa­fa­r­bene Wol­ke“)2Über Đoàn Thị Điểm ha­ben wir keine an­de­ren Aus­künfte als je­ne, die der Schmerz ih­res Gat­ten lie­fer­te, der sie in ei­ner Trau­er­rede be­wein­te:
In­dem sie ih­ren Pin­sel schwang, um Land­schaf­ten zu be­schrei­ben,
Drückte sie Emp­fin­dun­gen von gro­ßer Tiefe aus […]
Fä­hig, selbst die Un­s­terb­li­chen zu rüh­ren; […]
Ach! Sie hatte kei­nen fes­ten Wohn­sitz; […]
Erst nach den Drei­ßig ver­mählt,
Ver­ließ sie diese Erde jen­seits der Vier­zig; […]
Sie ging fort, ohne ihre alte Mut­ter zu un­ter­rich­ten; […]
Ist es nicht so, dass das Schick­sal selt­sam ist?
Ist denn der Him­mel un­ge­recht?…
. Ihre ent­schie­den weibliche Fas­sung — in­spi­riert, wenn ich so sa­gen darf, von den Stür­men der Seele — er­hob sich zum Rang ei­ner Schöp­fung und ließ bis­wei­len so­gar das Ori­gi­nal von Đặng Trần Côn ver­ges­sen, das doch schon be­wun­derns­wert war! „Das zeigt, in wel­chem Maße die Dich­te­rin […] zu­gleich alle Ge­heim­nisse der chi­ne­si­schen Spra­che und ih­rer Mut­ter­spra­che be­herrsch­te.“ Nie­mals zu­vor war das Vers­maß song thất lục bát („­dop­pel­tes Sie­ben, Sechs, Acht“), das der ed­len Schwer­mut so för­der­lich ist, mit sol­cher Kunst ver­wen­det wor­den: „Je­des Wort ist eine Trä­ne, je­der Vers ein Schluch­zen […] aus dem Her­zen. Und es han­delt sich um ein flam­men­des Herz, ein stür­mi­sches Herz, […] ein hüb­sches klei­nes Frau­en­herz, zu Tode ge­trof­fen vom teuf­li­schen Pfeil der Liebe — und zwar der ernst­haf­tes­ten Lie­be, der ehe­li­chen Liebe3So spricht Trần Văn Tùng in sei­ner be­mer­kens­wer­ten Samm­lung Poé­sies d’­Ex­trê­me-O­ri­ent (Dich­tun­gen aus Fer­no­st)..

Hoàng Xuân Nhị: Der kühne frankophone Vermittler

Schließ­lich noch ei­nige Worte über Hoàng Xuân Nhị. An­we­send in Pa­ris bei den ers­ten Er­schüt­te­run­gen des Zwei­ten Welt­kriegs, suchte er in der Dich­tung sei­ner Vor­vä­ter eine uni­ver­selle Bot­schaft, die er an ein in Flam­men ste­hen­des Eu­r­opa rich­ten konn­te. Sein Tagebuch schil­dert die Be­geis­te­rung, die ihn ei­nes Ta­ges durch die Haupt­stadt schrei­ten — oder viel­mehr flie­gen — ließ, mit lau­ter Stimme de­kla­mie­rend wie ein Be­ses­se­ner, wie ein Wahn­sin­ni­ger. Die Pa­ri­ser dreh­ten sich mit be­lus­tig­ter oder mit­lei­di­ger Miene um: „Die Ar­men!“, dachte er, „sie wä­ren vor Be­ha­gen ent­zückt ge­we­sen und hät­ten die un­end­li­che Trau­rig­keit des Krie­ges ver­ges­sen, hät­ten sie nur einen Trop­fen mei­nes gro­ßen Glücks ge­habt!

Warum traf seine Wahl auf die Kla­gen der Frau ei­nes Krie­gers? Weil sie „in [sei­nem] Blut selbst“ ein­ge­schrie­ben wa­ren seit der Wie­ge: früh ver­waist, hatte er in „den un­end­lich kost­ba­ren Trä­nen die­ser ed­len und so er­bar­mungs­wür­di­gen Frau, die­ser Ma­ri­ana Al­co­fo­rado Fer­no­st­asi­ens“ eine müt­te­r­li­che Zu­nei­gung ge­fun­den. Sie zu über­set­zen, sie zu deu­ten, hieß einen hu­ma­nis­ti­schen Traum zu ver­wirk­li­chen, nie­der­ge­schrie­ben in sei­nem Tagebuch un­ter dem Da­tum des 25. De­zem­ber 1940: „Eine ur­sprüng­li­che Syn­these — vor al­lem eine le­ben­dige — zweier Mensch­hei­ten, zweier Wel­ten: des Ori­ents und des Ok­zi­dents, das ist es, was zu sein ich be­schlos­sen ha­be, was zu sein ich mich be­mü­he, was zu sein ich im Be­griff bin“. Eine glanz­voll ein­ge­löste Ver­hei­ßung! Da­von zeugt die Auf­nah­me, die sei­ner Über­set­zung zu­teil­wur­de, wel­che Ro­bert Bra­sil­lach4Ich muss prä­zi­sie­ren, dass die un­heil­vol­len Be­kennt­nisse Ro­bert Bra­sil­lachs wäh­rend der Ok­ku­pa­tion die­sem hu­ma­nis­ti­schen Ide­al, das er hier be­klatscht, ge­walt­sam wi­der­spre­chen wer­den. mit fol­gen­den lo­ben­den Wor­ten be­grüß­te: „Herr Hoàng Xuân Nhị […] hat es ver­mocht, uns […] sein Land nä­her­zu­brin­gen. Der Mensch ist einer, von ei­nem Ende der Erde zum an­de­ren, und beim Le­sen der Be­trach­tun­gen über das Ver­flie­ßen der Tage oder über den Krieg, über die Lust des Lie­bens, über den Tod, dachte ich bald an Ca­tull, bald an Ho­mer, bald an Cor­neil­le, an Mall­ar­mé, an Va­léry. Es ist schön, uns an diese Na­men zu er­in­nern, es ist schön, zwei dem An­schein nach so un­ähn­li­che Kul­tu­ren zu ver­ei­nen zu wis­sen, und, ohne eine un­reine Mi­schung an­stre­ben zu wol­len, ih­nen zu hel­fen, ein­an­der zu ver­ste­hen“.


Zur Vertiefung

Zu Klagen der Frau eines Kriegers

Zitate

信來人未來
楊花零落委蒼苔
蒼苔蒼苔又蒼苔
一步閒庭百感催

Chinh phụ ngâm auf Wi­ki­source tiếng Việt, [on­li­ne], ab­ge­ru­fen am 7. Mai 2026.

Tin gửi đi (var. thường lại) người không thấy lại,
Hoa dương tàn đã trải rêu xanh.
Rêu xanh mấy lớp chung quanh,
Dạo sân (var. Sân đi) một bước trăm tình ngẩn ngơ!

Chinh phụ ngâm (Đoàn Thị Điểm dịch) auf Wi­ki­source tiếng Việt, [on­li­ne], ab­ge­ru­fen am 7. Mai 2026.

Die Bot­schaf­ten ge­hen aus, der Mann kehrt nie­mals zu­rück!
Die Wei­den­blü­ten ha­ben mehr als ein­mal das grü­nende Moos be­deckt.
Das Moos hat sich mehr als ein­mal von die­sen ge­fal­le­nen Blü­ten ge­nährt;
Je­der Schritt auf den Stein­plat­ten weckt un­zäh­lige Küm­mer­nis­se!

Đặng, Trần Côn und Đoàn, Thị Điểm. Plain­tes d’une chin­h-phou, femme dont le mari part pour la guer­re, et au­tres poè­mes (Kla­gen ei­ner chin­h-phou, ei­ner Frau, de­ren Mann in den Krieg zieht, und an­dere Ge­dich­te), aus dem Vi­et­na­me­si­schen über­setzt von Hoàng Xuân Nhị. Pa­ris: Stock, 1943; Neu­auf­lage un­ter dem Ti­tel Plain­tes de la femme d’un guer­rier (Kla­gen der Frau ei­nes Krie­ger­s), Pa­ris: Su­de­sta­sie, 1987.

Die Bot­schaf­ten sind an­ge­kom­men, doch Ihr seid nicht an­ge­kom­men.
Die Pap­pel­b­lü­ten wel­ken und fal­len auf das grüne Moos,
Das grüne Moos, das grüne Moos und wie­der das grüne Moos!
Bei je­dem Schritt im ver­las­se­nen Hof be­drän­gen mich hun­dert Ge­dan­ken.

Đặng, Trần Côn. « La Com­plainte de l’é­pouse du guer­rier » (Die Klage der Gat­tin des Krie­ger­s), aus dem Chi­ne­si­schen über­setzt von Mau­rice Du­rand. Bulle­tin de la So­ciété des étu­des in­do­chi­noi­ses (Mit­tei­lungs­blatt der Ge­sell­schaft für in­do­chi­ne­si­sche Stu­dien), Sai­gon: So­ciété des étu­des in­do­chi­noi­ses, Bd. XXVIII, Nr. 2, 1953.

Ich habe ihm oft ge­schrie­ben; er kehrt nicht zu­rück.
Die Es­pen­blü­ten be­de­cken das grüne Moos.
Rings­um, wie viele Schich­ten grü­nen Moo­ses!
Je­der Schritt, den ich auf die­sem wei­chen Tep­pich tue,
Ruft mir nach und nach be­un­ru­hi­gende Er­in­ne­run­gen wach.

Đặng, Trần Côn und Đoàn, Thị Điểm. « Chinh phụ (ngâm khúc) = Femme de guer­rier (élé­gie) » (Frau des Krie­gers [E­le­gie]), aus dem Vi­et­na­me­si­schen über­setzt von Tuần Lý (Huỳnh Khắc Dụng). Bulle­tin de la So­ciété des étu­des in­do­chi­noi­ses (Mit­tei­lungs­blatt der Ge­sell­schaft für in­do­chi­ne­si­sche Stu­dien), Sai­gon: So­ciété des étu­des in­do­chi­noi­ses, Bd. XXX, Nr. 3, 1955; Neu­auf­lage Sai­gon: Bộ Quốc gia Giáo dục, 1960.

Oft er­rei­chen mich Nach­rich­ten, doch der Mann kehrt nie­mals zu­rück;
Die Pap­pel­b­lü­ten, ganz ver­welkt (ver­dorr­t), ha­ben das grü­nende Moos be­deckt.
Das Moos brei­tet ringsum einen dich­ten grün­li­chen Tep­pich aus.
Je­der Schritt, den ich tue, weckt un­zäh­lige süße und schmerz­li­che Er­in­ne­run­gen.

Đặng, Trần Côn und Đoàn, Thị Điểm. Chinh phụ ngâm = Com­plainte de la femme d’un guer­rier (Klage der Frau ei­nes Krie­ger­s), aus dem Vi­et­na­me­si­schen über­setzt von Bùi Văn Lăng. Ha­noi: Édi­ti­ons Alex­andre de Rho­des, 1943.

Die Nach­rich­ten ge­hen aus, der Mann kehrt nicht zu­rück.
Die wel­ken Pap­pel­b­lü­ten be­de­cken das Moos.
Das Moos brei­tet ringsum sei­nen grün­li­chen Tep­pich aus.
Je­der Schritt im Hof regt tau­send wirre Emp­fin­dun­gen auf.

Đặng, Trần Côn und Đoàn, Thị Điểm. Chant de la femme du com­bat­tant (Ge­sang der Frau des Kämp­fer­s), aus dem Vi­et­na­me­si­schen über­setzt von Lê Thành Khôi. Pa­ris: Gal­li­mard, 1967.

Ihr habt mir oft ge­schrie­ben, doch Ihr seid nicht zu­rück­ge­kehrt,
Die wel­ken Pap­pel­b­lü­ten ha­ben einen grü­nen Moos­tep­pich ge­bil­det.
Auf die­sem grü­nen Moos bin ich im Kreis um­her­ge­wan­delt,
Und je­der Schritt im Hof be­lebt in mir hun­dert trost­lose Emp­fin­dun­gen wie­der.

Đặng, Trần Côn und Đoàn, Thị Điểm. Com­plainte d’une femme de guer­rier (Klage ei­ner Frau ei­nes Krie­ger­s), aus dem Vi­et­na­me­si­schen über­setzt von Đông Phong [N­guyễn Tấn Hưng]. Mon­treuil-sous-Bois: J. Ouakni­ne, 2009.

Die Bot­schaf­ten kom­men oft an, der Mann kehrt nicht zu­rück.
Die wel­ken Pap­pel­b­lü­ten be­de­cken das grüne Moos,
Das Moos brei­tet ringsum grün­li­che Schich­ten aus.
Je­der Schritt im Hof er­weckt tau­send wir­re, be­un­ru­hi­gende Emp­fin­dun­gen.

Đặng, Trần Côn und Đoàn, Thị Điểm. Tâm ca tình ng­hĩa vợ chồng: Chinh phụ ngâm = Chant de la femme du guer­rier (Ge­sang der Frau des Krie­ger­s), aus dem Vi­et­na­me­si­schen über­setzt von Đặng Quốc Cơ. Cachan: Q. C. Dang, 2012.

Oft habe ich Nach­rich­ten er­hal­ten,
Doch nie­mals mei­nen Gat­ten wie­der­ge­se­hen!
In un­se­rem Hof ha­ben die tro­ckenen Pap­pel­b­lü­ten
Den dich­ten Moos­tep­pich über­zo­gen;
Bei je­dem mei­ner sin­nen­den Schritte
Stürm­ten tau­send Ge­dan­ken auf mich ein!

Đặng, Trần Côn und Đoàn, Thị Điểm. « Plain­tes d’une femme dont le mari est parti pour la guerre = Chinh phụ ngâm » (Kla­gen ei­ner Frau, de­ren Mann in den Krieg ge­zo­gen ist), aus dem Vi­et­na­me­si­schen über­setzt von Lê Văn Chất, Hoàng Xuân Nhị, Hữu Ngọc [N­guyễn Hữu Ngọc], Nguyễn Khắc Viện, Phạm Huy Thông, Tảo Trang [Vũ Tuân Sán] und Vũ Quý Vỹ, in Zu­sam­me­n­a­r­beit mit Françoise Corrè­ze. An­tho­lo­gie de la lit­téra­ture vi­et­na­mi­enne. Tome II, 18e siècle, pre­mière moi­tié du 19e siècle (An­tho­lo­gie der vi­et­na­me­si­schen Li­te­ra­tur. Band II, 18. Jahr­hun­dert, erste Hälfte des 19. Jahr­hun­derts). Ha­noi: Édi­ti­ons en lan­gues étrangères, 1972; Neu­auf­lage Pa­ris-Mon­tre­al: L’Har­mat­tan, 2000.

Oft habe ich Nach­rich­ten er­hal­ten,
Nie­mals habe ich mei­nen Gat­ten wie­der­ge­se­hen!
Im Hof ha­ben die tro­ckenen Pap­pel­b­lü­ten
Den dich­ten Moos­tep­pich über­zo­gen.
Bei je­dem mei­ner sin­nen­den Schritte
Stürm­ten tau­send Ge­dan­ken auf mich ein!

Đặng, Trần Côn und Đoàn, Thị Điểm. « Com­plainte de la femme d’un guer­rier » (Klage der Frau ei­nes Krie­ger­s), aus dem Vi­et­na­me­si­schen über­setzt von Lê Văn Chất. An­tho­lo­gie de la poé­sie vi­et­na­mi­enne (An­tho­lo­gie der vi­et­na­me­si­schen Dich­tung). Pa­ris: Les Édi­teurs français réu­nis, 1969.

(Mei­ne) Briefe sind (Euch) oft zu­ge­kom­men, aber man sieht Euch nicht zu­rück­keh­ren.
Pap­pel­b­lü­ten, ver­welkt, sind be­reits über das grüne Moos ver­streut.
(Auf) dem grü­nen Moos, das in meh­re­ren Schich­ten ringsum (wächst),
Bei je­dem Schritt, den ich tue, (be­la­gert) eine Menge trau­ri­ger Emp­fin­dun­gen (mein Her­z).

Đặng, Trần Côn und Đoàn, Thị Điểm. « Une élé­gie an­na­mi­te: Chinh phụ ngâm = Le Chant de la femme d’un guer­rier » (Eine an­na­mi­ti­sche Ele­gie: Der Ge­sang der Frau ei­nes Krie­ger­s), aus dem Vi­et­na­me­si­schen über­setzt von Dương Quảng Hàm. Bulle­tin général de l’­In­struc­tion pu­bli­que de l’In­do­chine (All­ge­mei­nes Mit­tei­lungs­blatt des öf­fent­li­chen Un­ter­richts in In­do­china), Ha­noi, De­zem­ber 1940 und No­vem­ber 1942.

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Yoto Yotov

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